Meine Neuentdeckung der letzten Kaffeefahrt

Auch die Kaffeeproduzentin meines Vertrauens hat bei meinem letzten Besuch diese seltene Sorte auf Lager. Was denn da so speziell sei, frage ich. Suster Natalia von der Gembala Baik Plantage informiert mich, dass die reifen Kaffeekirschen gelb anstatt rot seien.

Aha, ach so. Persönlich habe ich bis dato weder etwas von einem Yellow Caturra Kaffee gehört noch gelesen. Ich vertraue der Natalia blind und kaufe fünf Kilo von diesem "Gelben Caturra".

Zurück im Hotel mache ich mich über Google schlau. Von einem "Flores Yellow Caturra" scheint ausserhalb von Flores noch niemand etwas vernommen zu haben. Hingegen lese ich viel interessantes über die Varietät Caturra und lerne noch viel mehr dazu.

Caturra natürliche Mutation vom Bourbon (Kaffee nicht Whisky)
Etwas zur Geschichte des Kaffees

Der Bourbon wiederum ist, nebst dem Kaffee Typica, der erste Kaffee, welcher ausserhalb Äthiopiens, respektive dem Yemen angepflanzt worden ist. So stammt jede Bourbon Varietät vom Ur-Bourbon Kultivar ab, der von den Franzosen aus Yemen zur französischen Insel Bourbon verschifft und dort erfolgreich angebaut worden ist. Heute ist diese ehemalige französische Kolonie im indischen Ozean als La Réunion bekannt. Erst von dort aus hat dieser Zweig des Ur-Kaffees den Siegeszug rund um den Globus angetreten.

Vor allem die Kaffeepflanzen in Mittel- und Südamerika stammen überwiegend vom Bourbun ab.

Die Holländer haben genau das gleiche wie die Franzosen getan. Sie haben den aus Yemen stammenden Ur-Kaffee in ihre Kolonien verschifft und angebaut. Diese kennen wir heute als Typica.

Zurück zum Caturra. Diese natürliche Mutation ist das erste Mal irgendwann zwischen 1915 und 1918 auf einer Plantage im Staat Minas Gerais in Brasilien entdeckt worden. Der Caturra hat eine Gen-Mutation, welche die Pflanze kleiner wachsen lässt. 1937 sind erste Selektionen vom Instituto Agronomico von Sao Paulo (Caminas, Brasilien) vorgenommen worden.

Obschon diese neue Varietät offiziell nie freigegeben worden ist, hat sie sich in Zentralamerika weit verbreitet. Vor allem wegen ihrer geringeren Grösse ist der Caturra sehr beliebt. Kommerziell jedoch spielt der Caturra bis in die 1980er Jahre keine grosse Rolle.

Langsam aber sicher glaube ich zu wissen wie es zu diesen gelben Kaffeekirschen auf Flores gekommen ist. Der Zusammenhang ergibt sich mir beim weiteren Studium der globalen Geschichte des Kaffees und dessen Verbreitung.

Hibrido de Timor
Timor Hybrid

Die ehemaligen portugisischen Kolonialherren haben den Kaffee mit auf Timor genommen und dort angepflanzt. Timor hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Der Hibrido de Timor ist eine spontane, natürliche Kreuzung zwischen Coffea Arabica und Coffea Canephora (Robusta) Pflanzen, welche sich auf der Insel Timor ereignet hat.

Das Centro de Investigação das Ferrugens do Cafeeiro of Portugal (CIFC), welches seit Jahren hervorragende Arbeit in der Forschung des Kaffeerost leistet, hat Timor Hybriden mit Caturra Pflanzen gekreuzt. Daraus ist die sogenannte Catimor Familie entstanden.

Meiner Meinung nach handelt es sich beim Flores Yellow Caturra um eine dieser Kreuzungen. Höchstwahrscheinlich ist es die Varietät T8667. Dies macht umso mehr Sinn, wenn man weiss, dass die Portugiesen auch die Insel Flores, noch vor den Holländern, kolonialisiert haben. Einige Kaffeepflanzen in Osttimor sind uralt und können bis ins 18te Jahrhundert zurückdatiert werden.

Auf dem Portal von World Coffee Research gibt es dazu ausführliche Informationen (leider nur in Englisch) über den Kaffee Caturra. Auch die Seite Kaffeepflanzen der Welt der SCA (Specialty Coffee Association) besticht mit hervorragenden Informationen rund um den Kaffee.