Es beginnt mit dem Hauskauf. Nach zehn Jahren auf Bali, komme ich mit meiner Familie zurück in die Schweiz. Unser Sohn soll eine Schweizer Ausbildung geniessen können.

Mit dem Haus übernehme ich auch gleich ein paar zurückgelassene Utensilien. Unter anderem eine alte Kaffeemühle. Ein Riesending! So wie sie früher in den "Tante-Emma" Läden gestanden haben.

Bisher kenne ich Kaffee nur als Konsument von fader Brühe in Restaurants oder ab und an mal einen selbst aufgesetzten Filterkaffee.

Aber dieses Unding weckt meine Neugierde. Ist es wirklich eine Mühle mit integriertem Röster? Ich beginne zu recherchieren. Nein, ist es nicht! Aber es hat mir den Ärmel schon reingezogen.

Auf einschlägigen Seiten im Internet lese ich von Kaffeeenthusiasten, welche nie mehr einen handelsüblichen Kaffee trinken würden. Denn das Leben sei zu kurz für schlechten Kaffee.

Nicht jeder dieser Freak röstet den Kaffee selber. Sie beziehen viel mehr frisch gerösteten Kaffee beim Röster ihres Vertrauens.

Ich will jedoch meinen eigenen Kaffee rösten. Nichts leichter als das, habe ich mir gedacht.

Wo kriege ich Rohbohnen her?

Eine Handvoll Rohbohnen in eine Pfanne schmeissen und unter stetem Rühren dunkelbraun rösten.

Nun ja, das leuchtet mir ein, aber woher kriege ich die rohen Bohnen?

Die Spezialitätenröster verkaufen ihre Bohnen schon auch im rohen Zustand. Zum Üben sind mir Preise ab 20 Franken das Kilo eindeutig zu hoch. Ansonsten gibt es nur 60 Kilo Säcke von den Grosshändlern.

Was soll ich mit 60 Kilo Kaffee? Unser monatlicher Verbrauch an Kaffee liegt bei etwa 500 Gramm? Rechne; da sitze ich auf einem Kaffeevorrat für sagenhafte 10 Jahre! Und wenn ich nicht fähig bin einigermassen genüsslichen Kaffee zu rösten, dann, ja dann landet alles auf dem Kompost.

Schliesslich erbarmt sich Blaser Café meiner. Sie ziehen mir je fünf Kilo von einem handelsüblichen Brasil und einem normalen Sumatra Kaffee ab. Vielen Dank!

So beginnt meine Kaffeerösterkarriere!

Haben Sie gewusst, dass die Schweiz einer der ganz Grossen im internationalen Rohkaffehandel ist? Obschon keine einzige Staude hier gedeiht, werden 70% des globalen Kaffeehandels über Helvetien abgewickelt! Ist mir persönlich bis dato nicht bewusst gewesen.

Kaffee rösten kann jeder...
...habe ich mir gedacht

Das stimmt auch. Ob man das Ergebnis dann jedoch trinken kann, steht auf einem anderen Blatt.

Die ultimative, vollautomatische Kaffeeröstmaschine für den Hausgebrauch, habe ich mich belehren lassen, die gibt es (noch) nicht.

Also, Pfanne auf den Herd. Schmeiss rein die Bohnen und fang an zu rühren.

Ich rühre und rühre, und rühre und rühre. Wie lang muss ich denn rühren? Mir fällt beinahe der Arm ab! Muss mal austreten. Nicht lange. Komme zurück und rühre weiter. Scheibenkleister, die Bohnen sind einseitig angekohlt! Es riecht verbrannt. Schmeiss weg!

Vor dem zweiten Versuch mache ich mich schlau. Ob man nur eine Handvoll oder ein paar Kilo Kaffeebohnen röstet, der Prozess dauert immer etwa gleich lang. Rund 12 bis 20 Minuten. Das scheint auf den ersten Blick nicht lang zu sein, aber rühren Sie mal 15 Minuten! Das ist Schwerstarbeit!

Auch die zweite Röstung landet auf dem Kompost. Ich geb nicht auf und siehe da, die Ergebnisse werden von Mal zu Mal besser, vor allem optisch. Der Trinkgenuss hält sich jedoch noch in Grenzen.

Dies hat vor allem mit dem Rühren zu tun. 12 bis 20 Minuten gleichmässig eine Holzkelle in einem Topf kreisen lassen ist schier unmöglich. Das kann es ja nicht sein. So kann es nicht weiter gehen.